Gemeinnützige Gesellschaft für
Kinder- und Jugendhilfe des ASB
ASB Kinder- und Jugendhilfe in Rostock

Wir fordern Angebote für Care Leaver

(24. Oktober 2019, Rostock)

Seit einigen Jahren wird das Thema der „Care Leaver“ – junge Menschen, die die Jugendhilfe verlassen haben – in der Fachöffentlichkeit diskutiert. Am 24. Oktober fand ein Fachtag zu dieser Thematik in Rostock, organisiert vom Rostocker DRK Jugendhilfeverbund und dem Pflege-Familien-Zentrum der Caritas, statt.

*Was bedeutet Care Leaver? Nicht alle Kinder und Jugendlichen wachsen bei ihren Eltern auf. Einige leben aus verschiedenen Gründen …

  • in einer Jugendwohngruppe oder einem Heim,
  • in einer Pflegefamilie oder Erziehungsstelle
  • in einer Kinderdorffamilie oder einer anderen betreuten Wohnform.

Ein “Care Leaver” ist ein*e junge*r Erwachsene*r, die bzw. der die Kinder- und Jugendhilfe (= Care) demnächst verlässt (= Leaver). Weitere Infos auf: Careleaver-online.de 

 Auch wir als ASB Kinder- und Jugendhilfe waren vertreten. Auseinandergesetzt wurde sich u.a. mit der aktuellen politischen und pädagogischen Entwicklung, wofür Frau Prof. Dr. Böllert von der Uni Münster einen Fachvortrag hielt, und Herr Haase, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut, einen Input zur intraindividuellen Entwicklung junger Menschen gab. Auch Careleaver aus Rostock beteiligten sich und stellten sich für eine kurze Gesprächsrunde zum Thema Verselbständigung zur Verfügung. Die Rolle der Betreuenden und Beratungsmöglichkeiten in Rostock für junge Menschen nach der Beendigung der Hilfen nach SGB VIII wurden besprochen.

Wir begleiten ebenfalls junge Menschen in die Selbstständigkeit. Unsere Fachkräfte setzen sich regelmäßig mit der Verbesserung der Angebote auseinander. Wir unterstützen die fachpolitischen Forderungen der „Berliner Erklärung“ (u.a. von der IGfH und dem Careleaver e.V.), dass

  • der Anspruch auf Hilfen nach SBG VIII für junge Volljährige mindestens bis zum 21. Lebensjahr gesetzlich vom „Soll“ zum „Muss“ geändert wird,
  • die Jugendhilfe auch nach der Beendigung weiterhin zuständig bleibt, z.B. dass Kontakte zu ehemaligen Betreuer*inne oder Pflegeeltern genutzt werden können und die Professionellen dafür bezahlt werden,
  • junge Menschen bei der Bildung von regionalen Vernetzungsstrukturen professionelle Unterstützung bekommen und
  • die Kostenheranziehung für Jugendliche und junge Menschen abgeschafft wird.

Ziel soll es sein, dass junge Menschen die Jugendhilfe verlassen, wenn sie sich so weit fühlen, auf eigenen Beinen zu stehen, und dass sie unter vergleichbaren Bedingungen wie in funktionierenden Familien leben und sich entwickeln können.

Text: C. Leinweber, Jugendwohnverbund & W. Dobberstein
Bildnachweis: Oleh_Slobodeniuk

Zurück